Sarah Schwarz
14. März 2017 | Total Lokal

Kirchenkreis Schwelm setzt sich für Familennachzug ein

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Dr. Astrid Seckelmann (l.), Superintendent Hans Schmitt und Katharina Arnoldi haben einen Brief an die heimischen Bundestagsabgeordneten geschrieben. (Foto: Harald Bertermann)

Dr. Astrid Seckelmann (l.), Superintendent Hans Schmitt und Katharina Arnoldi haben einen Brief an die heimischen Bundestagsabgeordneten geschrieben. (Foto: Harald Bertermann)

Schwelm. Der Evangelische Kirchenkreis Schwelm setzt sich mit einem Schreiben an die heimischen Bundestagsabgeordneten dafür ein, dass der Familiennachzug von Flüchtlingen erleichtert wird.
Weniger rechtliche, verwaltungspraktische und finanzielle Hürden für den Familiennachzug von Geflüchteten – das ist das Ziel für das sich die Beauftragten für Flüchtlingsarbeit in den Kirchenkreisen der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) derzeit einsetzen.
Drei Ziele
Dazu haben sie eine gemeinsame Erklärung verfasst. Sie wollen damit vor allem drei Ziele erreichen: Erstens ein Recht auf Familiennachzug auch für Menschen, die nicht als Flüchtlinge im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention gelten, aber dennoch in ihrer Heimat an Leib und Leben bedroht sind („subsidiär Geschützte“). Zweitens eine Beschleunigung und Vereinfachung des Familiennachzugs für diejenigen, denen dieses Recht bereits zugestanden wurde.
Und drittens die Ausstellung von mehr humanitären Visa für Familien. Diese Visa würden Familien eine gemeinsame ­sichere Einreise zum Zweck der Asylantragstellung in die EU erlauben, sodass nicht mehr die vermeintlich ­stärksten Familienmitglieder vorausgeschickt werden müssen und eine Trennung der ­Familie nötig wird.
Die Beauftragten für Flüchtlingsarbeit begründen ihre Forderung sowohl biblisch als auch verfassungsrechtlich: „Auf der Grundlage des Evangeliums ist es für uns als Christinnen und Christen ein wichtiges Anliegen, Familie zu unterstützen. Hohe Wertschätzung und Unterstützung der Familie ist gleichzeitig Gebot der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland sowie der Europäischen Menschenrechtskonvention.“
Fond hilft
Dr. Astrid Seckelmann, seit 2015 ehrenamtliche Flüchtlingsbeauftragte im Evangelischen Kirchenkreis Schwelm, hat die Erklärung mit verfasst und unterschrieben. „Das Thema Familiennachzug beschäftigt uns zunehmend im Kirchenkreis Schwelm. Dank eines Fonds zur Bewältigung fluchtbedingter Mehrkosten, den der Kirchenkreis zur Verfügung gestellt hat, können wir Flüchtlinge unter anderem dabei unterstützen, ihre Familien nachzuholen. Hier verzeichnen wir eine wachsende Nachfrage“, erklärt sie.
Flüchtlinge, die hier alleine ohne ihre Familien leben, hätten kaum die Möglichkeit, die finanziellen Mittel aufzubringen, die eine Familienzusammenführung kostet. „Sie müssen nicht nur für ihren eigenen Lebensunterhalt in Deutschland, sondern auch für den ihrer zurückgebliebenen Familien aufkommen. Da bleibt nichts übrig, um zum Beispiel Verwaltungs- und Reisekosten zu bezahlen.“
Erfahrungsgemäß können die Flüchtlinge sich erst richtig auf die Integration, den Sprach- und Kulturerwerb einlassen und konzentrieren, wenn sie ihre Familienangehörigen in Sicherheit wissen. In der Erklärung wird die Kirchenleitung der EKvW gebeten, sich weiterhin über die EKD bei der Bundesregierung für das Anliegen des Familien­nachzugs einzusetzen. „Wir werden in unseren Kirchenkreisen das Gespräch mit Bundestagsabgeordneten und Ausländerbehörden suchen, um für einen beschleunigten Familien­nachzug einzutreten“, heißt es am Schluss der Erklärung.
Brief nach Berlin
Dr. Astrid Seckelmann, Superintendent Hans Schmitt und Katharina Arnoldi von der Evangelischen Erwachsenenbildung, die die Flüchtlingsarbeit hauptamtlich unterstützt, haben deshalb jetzt einen Brief an die heimischen Bundestagsabgeordneten geschrieben, in dem sie diese bitten, sich die Forderungen der westfälischen Flüchtingsbeauftragten zu eigen zu machen.


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