Sarah Schwarz
12. März 2017 | Titelseite

Kriminalität im EN-Kreis: Weniger Straftaten, mehr Gewalt

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Stellten jetzt im Schwelmer Kreishaus die Kriminalstatistik 2016 für den EN-Kreis vor (v.l.): Polizeioberrat Dirk Happe (Leiter der Direktion Kriminalität), Landrat Olaf Schade und ­Polizeidirektor Klaus Menningen. (Foto: Sarah Schwarz)

Stellten jetzt im Schwelmer Kreishaus die Kriminalstatistik 2016 für den EN-Kreis vor (v.l.): Polizeioberrat Dirk Happe (Leiter der Direktion Kriminalität), Landrat Olaf Schade und ­Polizeidirektor Klaus Menningen. (Foto: Sarah Schwarz)

EN-Kreis. (saz/Red.) Zu Beginn der Woche stellte Landrat Olaf Schade im Beisein des Abteilungsleiters der Polizei, Polizeidirektor Klaus Menningen, und dem Leiter der Direktion Kriminalität, Polizeioberrat Dirk Happe die Kriminalitätsentwicklung des EN-Kreises (ohne Witten) für das Jahr 2016 vor.
Die gesamte Anzahl von Kriminalfällen lag im vergangenen Jahr bei 13.280, 17 weniger als noch 2015. „Im Prinzip ist das eine konstante Zahl“, erklärte der Landrat und fügte hinzu: „Der Ennepe-Ruhr-Kreis ist eine der sichersten Regionen in Nord­rhein-Westfalen.“ Im Landesvergleich liege die Kreispolizeibehörde Ennepe-Ruhr-Kreis mit ihren Delikten 30 Prozent unter dem Landesschnitt. Die Wahrscheinlichkeit, im restlichen NRW Opfer einer Straftat zu werden, ist also – rechnerisch – deutlich höher als im Bereich der Polizei EN.
Bessere Aufklärung
Erfreulich sei vor allem auch die Aufklärungsquote, die um 1,7 Prozentpunkte von 56,5 Prozent auf 58,2 Prozent gestiegen sei. Der Landrat bedankte sich in diesem Zusammenhang für die gute Arbeit der Ermittlerinnen und ­Ermittler.
Diesen Ansichten schloss sich auch Polizeioberrat Dirk Happe an: „In der Kriminalstatistik gibt es gesunkene Fallzahlen bei einer Steigerung der Aufklärungsquote. Hier kann man sich insgesamt sicherer fühlen, als im Landesdurchschnitt.“
Fast im ganzen EN-Südkreis ging die Anzahl der Delikte zurück. Nur in Sprock­hövel stieg sie an.
Die Straftaten verringerten sich in Schwelm von 2.270 auf 2.093 (-7,80 Prozent), in Ennepetal von 1.831 auf 1.757 (-4,04 Prozent) und in Gevelsberg von 2.407 auf 2.361 (-1,91 Prozent). Sprock­hövel dagegen verzeichnete einen Anstieg von 910 auf 1.024 (+12,53 Prozent).
Direkter Vergleich
Zum direkten Vergleich der Städte: Die Kriminalhäufigkeitsziffer (Fallzahlen pro 100.000 Einwohner) sank in Schwelm um 9,25 Prozent, in Ennepetal um 4,75 Prozent und in Gevelsberg um 2,34 Prozent. Sprock­hövel verzeichnete einen Anstieg um 11,74 Prozent.
Mehr Gewalt
Während fast im gesamten Kreis die Einbruchs- und Diebstahlsdelikte zurückgingen, vergrößerte sich die Anzahl der Gewalttaten. Diesen Anstieg erklärte Happe mit der größeren Bereitschaft der Bürger, sich beispielsweise mit Reizgassprays auszustatten. Gerade nach einem Vorfall wie der Silvesternacht in Köln, haben sich viele Menschen damit ausgestattet. Die Hemmschwelle, das Spray einzusetzen sei sehr gering.
Auf die Frage, ob Zuwanderer Einfluss auf die Kriminalitätslage in der Kreispolizeibehörde haben, antwortete Happe, dass keine messbaren negativen Auswirkungen festgestellt werden konnten. „Den Ausländeranteil an der Statistik haben wir mit Absicht nicht angefügt, da dieser in keiner Weise ein Problem darstellt“, erklärte er dazu.
Gefühlte Sicherheit
Trotz der positiven Entwicklungen in vielen Bereichen scheint das subjektive Sicherheitsgefühl in den letzten Jahren eher negativ zu sein. Das liege unter anderem auch an Meldungen im Netz, wie Happe erklärt. „Heutzutage wird alles in den sozialen Medien ungefiltert wiedergegeben. Dadurch entsteht eine Kaskadierung. Vieles ist so gar nicht passiert.“
Das sieht auch Polizeikommissarin Sonja Wever (Leitungsstaab Pressestelle): „Die Leute kriegen heute jede Straftat mit, das war früher nicht so. Natürlich stellt das ein Problem für das subjektive Sicherheitsempfinden dar.“ Die Kreispolizeibehörde sei dabei machtlos, wolle aber in der Kriminalstatistik auf jeden Fall die Fakten widerspiegeln.