Anja Schade
17. Mai 2017 | Titelseite

Aufräumen im Atelier des Hagener Künstlers Peter Blindert

Bilder
Künstler durch und durch: Peter Blindert will sich jetzt aus dem öffentlichen Kunstleben zurückziehen und es in Zukunft ein wenig ruhiger angehen lassen. Die Regale in seinem Atelier sind aber noch gut gefüllt. (Foto: Anja Schade)

Künstler durch und durch: Peter Blindert will sich jetzt aus dem öffentlichen Kunstleben zurückziehen und es in Zukunft ein wenig ruhiger angehen lassen. Die Regale in seinem Atelier sind aber noch gut gefüllt. (Foto: Anja Schade)

Hagen. (AnS) Kann ein Künstler in den Ruhestand gehen? Bei Peter Blindert mag man es kaum glauben, auch wenn er beim Interviewtermin recht entspannt in der Sonne auf seiner Ateliersterrasse hoch über den Dächern von Wehringhausen sitzt.
„In den Ruhestand gehen ist vielleicht auch die falsche Bezeichnung“, schmunzelt der 67-Jährige. „Ich möchte mich aus der Öffentlichkeit zurückziehen, meinen Lebensabend etwas anders gestalten und mich auf mich selbst besinnen.“ In diesen Tagen steht vor allen Dingen eins an: Aufräumen, um das zu entsorgen, was sich die vergangenen Jahrzehnte so angesammelt hat.
„Ich war wirklich Jäger und Sammler und das merkt man jetzt“, erklärt er und schaut sich lächelnd in seinem Atelier, beheimatet auf dem Hinterhof des Bergischen Rings 103, um.
Sammler und Jäger
Alles Wiederverwertbare fand bei Peter Blindert Verwendung. „Wie oft bin ich in Container geklettert, um nach Material zu schauen.“ Das, was eigentlich auf dem Schrottplatz oder im Müll landen sollte, verarbeitete der gebürtige Eifeler oder „ich habe es für später mal in die Ecke gestellt“. Auch Holz, das eigentlich im Ofen verbrannt werden sollte, fand sich in Blinderts Kunstwerken wieder.
Farbspuren aus dem Malersaal
Peter Blindert ist das, was man einen Allround-Künstler nennt. Der Gang durch seine Räume ist wie ein Gang durch ein Museum, an jeder Ecke etwas Neues und Spannendes.
Allein im Treppenhaus trifft man auf allerlei Klangwerke und Bilder, im Atelier geht es mit Collagen, Skulpturen, Druckplatten und noch mehr Bildern weiter. „Ich mag Sachen, die schon einmal gelebt haben Wie gerne habe ich schon zu meiner Studentenzeit alte Möbel restauriert.“
So fanden sich auch Einmachglasverschlüsse aus Metall wieder und das Material für seine künftige Ausstellung „Malersaal – und dann?“: Als Bühnenbildner hat Blindert seinerzeit das Packpapier mitgenommen, das im Malersaal als Schutz auf dem Boden ausgelegt war.
Ausschnitte als Foto
Ausschnitte daraus bilden die Grundlage seiner Werke. Mit wenigen, dunklen Strichen hat er aus den vorhandenen Farbspuren Landschaften erschaffen. Mal zeigen sie Industriegebäude, mal eine Skyline, mal bleiben sie abstrakt – je nach Auge des Betrachters. Risse, die bereits im Theater mit Klebeband geflickt wurden, bilden teilweise die Rahmen für seine phantasievollen Bilder.
Zu den Werken auf Leinwand gesellen sich 300 bis 400 Fotos, die ebenfalls Bruchstücke des Papiers zeigen.
Stöbern in Kunst
Die Ausstellung ist aber auch eines: Besucher haben die Möglichkeit, in allen Werken von Peter Blindert zu stöbern und sie mit nach Hause zu nehmen. Denn der Künstler will nicht nur sein Material los werden, sondern auch seine Kunst – „oft großformatig und Platz einnehmend“ – wenn auch mit etwas Wehmut. Den Erlös spendet er einem guten Zweck. Das Atelier will Blindert, der mittlerweile in Haspe wohnt, allerdings noch nicht aufgeben. Befreundete Kollegen werden in seinen Räumlichkeiten werkeln und auch er wird dort immer mal wieder zu finden sein.
Um auf die Anfangsfrage zurückzukommen: Kann ein Künstler in Rente gehen?
„Langeweile habe ich noch nie gehabt und werde ich auch nicht haben“, beantwortet er die Frage auf das „danach“. Seine Hände werden aber weiterhin sein Werkzeug sein, vielleicht mehr in seinem Garten hinter dem Haus, mit dem Fotoapparat unterwegs in der Natur. Die Ära des Jagens und Sammelns und Aufbewahrens scheint aber beendet.
Die Türen seines Ateliers am Bergischen Ring sind am 21. Mai ab 11 Uhr geöffnet.



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