Heiko Cordes
09. August 2017 | Titelseite

Emster Mord nach elf Jahren aufgeklärt?

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In diesem Haus starb Wolfgang Schepp 2006. Elf Jahre später hat die Polizei den Fall nun wohl aufgeklärt. (Foto: Polizei Hagen)

In diesem Haus starb Wolfgang Schepp 2006. Elf Jahre später hat die Polizei den Fall nun wohl aufgeklärt. (Foto: Polizei Hagen)

Hagen. (hc) Es war ein spektakulärer Fall, der sich am 9. November 2006, in der Volmestadt ereignete: Der Hagener Unternehmer Wolfgang Schepp wurde von zwei Männern in seinem Emster Wohnhaus erschossen.
Uhren und Bargeld im Wert von mehreren hunderttausend Euro wurden erbeutet. Doch wertvolle Gemälde und einige andere Wertsachen wurden nicht mitgenommen, was zu der Spekulation führte, dass es sich bei der Tat nicht um einen „klassischen“ Raubmord gehandelt habe. Doch der leitende Polizeihauptkommissar Michael Koza hält dem entgegen: „Es wurde eine Beute im Wert von mehreren hunderttausend Euro gemacht.“
Daher geht man zum jetzigen Zeitpunkt doch von einem Raubmord aus. Am vergangenen Donnerstag, 3. August, kam nach elf Jahren Bewegung in den Fall. Einer der beiden mutmaßlichen Täter wurde um 8 Uhr am Dortmunder Flughafen von der Polizei mit Unterstützung einer SEK-Einheit festgenommen. Der zweite Täter sitzt dagegen schon in der JVA Werl wegen eines vergleichbaren Falls ein. Am Tegernsee in Bayern wurde nämlich auf eine ähnliche Art und Weise ein älteres Ehepaar überfallen. Der aus Lünen stammende Mann wurde im Zuge der dortigen Ermittlung festgenommen und verurteilt.
DNA-Spuren hatten die Ermittler auf die Fährte geführt und machten auch den Fall in Hagen im vergangenen Sommer wieder aktuell. Denn: Sein damaliger Komplize konnte ebenso ermittelt werden.
Da er im Ausland weilte, „in einem Land, das nicht ausliefert“, wie Staatsanwalt Nils Warmbold erklärte, verstrich Zeit. Deswegen dauerte es bis August 2017, ehe ein Zugriff erfolgen konnte. Da reiste er nämlich aus Bosnien nach Deutschland ein.
Die DNA-Spuren waren der entscheidende Hinweis für die Ermittler, die bislang nur wenige heiße Spuren hatten. Ermittlungen im Rotlicht-Milieu wegen etwaiger Verstrickungen Schepps führten ins Leere. Schepps damalige Lebensgefährtin, die selbst Opfer bei diesem Überfall wurde und schwere körperliche Verletzungen davontrug, sagte nach der Tat aus, dass die beiden Täter auf Grund ihrer Sprache in den osteuropäischen Raum zu verorten seien. Das bewahrheitete sich.
Aus der damaligen Beute sind bisher nur zwei Stücke aufgetaucht. Eine 252.000 Euro teure IWC-Uhr, die 2009 in Amsterdam einem Juwelier vorlag, sowie eine 20.000 Euro teure Chopard-Uhr, 2010 ebenfalls in den Niederlanden. Die Ermittlungen damals führten aber zu keinem Erfolg. „Erst die neuen Methoden, die 2006 noch nicht zur Verfügung standen, haben zum Erfolg beigetragen“, sagt Koza.
Aus Lünen
Die heute 45 und 50 Jahre alten Täter kennen sich laut Polizeiaussage schon seit 1989. Auch die Familien sind sich bekannt, wahrscheinlich weil beide in Lünen lebten. Die Täter sind keine Unbekannten für die Ordnungshüter. Wegen Gewalt- und Einbruchsdelikten wurden sie bereits verurteilt.
Einen Anstifter zur Tat sowie eine Täter-Opfer-Beziehung schließt die Polizei derzeit aus.
Es sieht momentan einzig danach aus, dass es sich um einen Mord aus Habgier handelt.
Das Strafmaß lässt sich daraus aber noch nicht ableiten: „Mord bedeutet grundsätzlich lebenslänglich. Aber es kann natürlich weitere Aspekte geben“, so Warmbold. Der Staatsanwalt freut sich besonders über die Botschaft, die diese Festnahme aussendet: „Es zeigt, dass wir die Täter vielleicht nicht heute oder morgen bekommen, aber vielleicht in zehn Jahren. Man ist nie vor uns sicher.“


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