Bärbel Taubitz
19. April 2017 | Auto

Im Frühling wird gebissen: Marder im Motorraum

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Marder sehen Motorräume oft als ideales Versteck an. (Foto: HDI)

Marder sehen Motorräume oft als ideales Versteck an. (Foto: HDI)

Hagen. (Red.) Gestern lief das Auto noch ohne Probleme, heute hat der Motor Zündaussetzer. Ein Blick unter die Motorhaube zeigt dann schnell das typische Schadenszenario, das Marder gerne hinterlassen: Angebissene Schläuche, zerfetztes Isoliermaterial und angenagte Kabel.
Übeltäter Steinmarder
Lange galten Steinmarder als gefährdet. Mittlerweile haben sich die Bestände jedoch erholt. Und waren in der Vergangenheit Marderschäden eher ein Problem in ländlichen Regionen, haben die Vierbeiner inzwischen auch das städtische Umfeld schätzen gelernt. Über die letzten Jahre ist dabei ein deutlicher Anstieg der Schäden feststellbar: 2007 verzeichnete die deutsche Versicherungswirtschaft noch rund 175.000 Marderschäden, 2014 waren es rund 216.000. Die jährliche Schadensumme stieg im selben Zeitraum von 38 Millionen auf 64 Millionen Euro. Dazu dürfte noch eine erhebliche Dunkelziffer kommen, denn die Zahlen umfassen nur die versicherten Schäden.
Im Frühling besonders bissig
Im Frühling, aber auch in der Paarungszeit im Juli/August verteidigen die Tiere ihr Revier besonders nachdrücklich. Nichts anderes hat ein Marder im Sinn, wenn er Kabel, Gummimanschetten und Schläuche zerlegt. Denn er sieht den Motorraum eines parkenden Autos als ein ideales Versteck, das er mit entsprechenden Duftmarken kennzeichnet.
Auto wird zum Kampfplatz
Stellt der Autofahrer nun seinen Wagen an einem der folgenden Tage im Revier eines anderen Marders ab, nimmt dieser die Duftmarkierungen seines Konkurrenten wahr. Erbost macht er sich dann über die markierten Teile her. Mit entsprechenden Folgen für weiche Kunststoff- und Gummikomponenten. Und natürlich markiert er seinerseits ausgiebig den nun von ihm beanspruchten Wohnraum.
Fährt der Autofahrer mit seinen Wagen anschließend wieder zurück, reagiert jetzt der erste Marder allergisch auf die Nummer Zwei; mit den entsprechenden Folgen.
Abwehrmaßnahmen: Nur wenige versprechen Erfolg
Mottenkugeln, WC-Steine oder Säckchen mit Hundehaaren im Motorraum – Abwehrmaßnahmen wie diese bringen meist nur mäßige Resultate. Genauso wenig helfen in der Regel Ultraschall-Geräte. Denn Marder können sich sowohl an die Gerüche als auch an den für sie ohrenbetäubenden Lärm gewöhnen.
Außerdem ist es möglich, dass die Tiere Gehörschäden durch den Ultraschall-Lärm davon tragen. Auch unter den Wagen geschobener feinmaschiger Kaninchendraht hilft nur so lange, bis sich die Besucher an den wackligen Untergrund gewöhnt haben.
Motorraum auskleiden
Am wirkungsvollsten ist es, den kompletten Motorraum zu verkleiden. Allerdings sind entsprechende Bausätze nicht für alle Autos verfügbar. Alternativ lassen sich per Wellschlauch aus Hartkunststoff oder Aluminium freiliegende Kabel effizient schützen. Manschetten, Dämmmaterial oder Schläuche bleiben jedoch weiterhin gefährdet. Als Abwehrmaßnahme hat sich außerdem ein elektrischer Schutz bewährt. Ähnlich einem Weidezaun verteilen die Geräte leichte Stromschläge und vertreiben so interessierte Marder.
Nach Besuch gründlich waschen
„War ein Marder zu Besuch, sollte auf jeden Fall eine gründliche Motorwäsche auf dem Programm stehen“, rät Torsten Sauer, Leiter Produktmanagement Kraftfahrt der HDI Versicherung Nur so lassen sich die Duftspuren im Motorraum entfernen und ein weiterer Besucher wird nicht unnötig gereizt.
Schäden und Kontrolle
So ärgerlich schon die direkten Schäden durch Marderbisse sein können, richtig ins Geld gehen oft die Folgeschäden. „Häufig merkt der Autofahrer zunächst gar nicht, dass sein Wagen entsprechenden Besuch hatte. Er wird erst darauf aufmerksam, wenn sich teure Folgeschäden eingestellt haben“, weiß Auto-Experte Sauer. Wenn sich der Marder zum Beispiel an einer Achsmanschette vergriffen hat, kann es durch eindringenden Schmutz nach und nach zu einer Schädigung von Antriebs- oder Achsgelenken kommen.
Das Perforieren eines Kühlwasserschlauchs durch Marderzähne kann den Verlust von Kühlflüssigkeit und einen anschließenden Motorschaden zur Folge haben.
Öfter mal unter die Haube schauen
Gerade im Frühjahr lohnt es sich deshalb für jeden Autofahrer, der den Wagen nicht konsequent in der Garage parkt, etwas häufiger einen gründlichen Blick unter die Motorhaube zu werfen. Und auch ohne sichtbare Schäden sollten Dinge, die im Motorraum nichts zu suchen haben wie Eier, Brotreste oder tote Beutetiere, stutzig machen. Ein Marder ist dann offenbar dabei, seine Wohnung einzurichten.
Versicherungsschutz
Versicherungsschutz gegen Schäden durch Tierbiss kann die KFZ-Kaskoversicherung bieten. Hier sollte jeder darauf achten, dass Tierbiss und auch die Folgeschäden in den Versicherungsschutz eingeschlossen sind.


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