Claudia Eckhoff
14. Mai 2017 | Titelseite

Iserlohner Rollifahrer (72) kämpft mit jedem Zentimeter

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Er hat noch Humor: Der 72-jährige Iserlohner Gerd Brinkmann sitzt seit sieben Jahren im Rollstuhl. Er ist daran gewöhnt, täglich überall mit allen möglichen Ecken und Kanten kämpfen zu müssen. (Fotos: Claudia Eckhoff)

Er hat noch Humor: Der 72-jährige Iserlohner Gerd Brinkmann sitzt seit sieben Jahren im Rollstuhl. Er ist daran gewöhnt, täglich überall mit allen möglichen Ecken und Kanten kämpfen zu müssen. (Fotos: Claudia Eckhoff)

Iserlohn. (clau) Gerd Brinkmann sitzt nach einem Schlaganfall seit sieben Jahren im Rollstuhl. Den Humor hat der stattliche 72-Jährige, der immer schnelle Sachen liebte, nicht gänzlich verloren, obwohl das Leben auf Rädern an allen Ecken und Kanten wortwörtlich voller Bitterkeiten steckt.

„Nehmen wir meinen schönen großen Balkon“, sagt der ehemalige orthopädische Schuhmacher. „Der ist sogar überdacht und öffnet den Blick auf die waldigen Hügel. Aber: Ich komme einfach gar nicht drauf. Die Balkontür ist eben zu schmal für den Rollstuhl.“
Kein Platz im Bus
Will Gerd Brinkmann seine Wohnung in Wermingsen verlassen, muss er vor der Fahrstuhltür den leichten „Stuben-Rolli“ mühsam gegen seinen motorisierten 12-PS-Rollstuhl tauschen. Das bedeutet für ihn eine gewaltige körperliche Anstrengung. Sein Gefährt erlaubt ihm, allein zügig voranzukommen, sofern nicht schwere Mülltonnen oder Container seinen Weg versperren. „Wenn sie leer sind, kann ich sie ja noch mit dem Fuß beiseite treten“, grinst Gerd Brinkmann. Im Nu erreicht er die Schlesische Straße und kann dort an Bord der öffentlichen Busse gehen. „Manche Busfahrer wollen mich aber nicht mitnehmen, wenn der Bus voll ist“, klagt er. „Weil sie grundsätzlich keine Scooter transportieren oder weil an meinem Rollstuhl ein Nummernschild ist. Ich bin aber zu hundert Prozent schwerbehindert. Das Nummernschild habe ich jetzt lieber abmontiert.“
Nässe, Schnee und Dunkelheit
Wenn es nass ist, rutschen die Plastikreifen. Gerd Brinkmann hat schon manche gefährliche Rutschpartie mit angehaltenem Atem bisher noch unbeschadet überstanden. „Ich hätte gern Winterreifen. Aber die gibt es nicht. Ich könnte Schneeketten bekommen. Die machen allerdings nur bei geschlossener Schneedecke Sinn. Und überhaupt: Soll ich etwa auf Ketten in die Bücherei oder den Supermarkt rasseln?“, fragt er sich.
Auch die Beleuchtung macht Probleme. „Mein Rollstuhl ist serienmäßig mit Halogenlampen ausgestattet. Aber die sind so funzelig, dass ich mehr sehen könnte, wenn ich mir rechts und links eine Katze ans Knie binden würde“, seufzt er. „Jetzt mit meinen neuen LED-Lampen geht es besser.“
Ein ständiges Kämpfen
Der schwer kranke Mann gibt so schnell nicht auf. Sein Schlaganfall, zwei Bandscheibenvorfälle, ein Bauchdeckenbruch, Diabetes, die gelähmte rechte Hand und die nicht mehr tragenden Beinen würden reichen für einen Pflegegrad vier, sollte man meinen. „Aber wenn das der Arzt empfiehlt, scheitere ich dann an der Krankenkasse. Der medizinische Dienst sagt mir glatt, solange ich kein Alzheimer hätte, bräuchte ich mir da keine Hoffnungen zu machen“, stöhnt Gerd Brinkmann. „Also muss ich weiter munter meinen Anwalt bemühen, der fast alles und jedes immer erst für mich erstreiten muss.“ Die Stadt Iserlohn hat sich im letzten Jahr hilfsbereit gezeigt (der Wochenkurier berichtete). Sie schuf für Gerd Brinkmann einen Behindertenparkplatz, der lang genug ist, um hinten die Rampe auszufahren und den Rollstuhl auszuladen. Darüber, dass der Iserlohner nur dann vom Beifahrersitz aussteigen kann, wenn sein Auto entgegen der Fahrtrichtung parkt, übersehen die Iserlohner Politessen großzügig.
Nur ein Zentimeter
Und doch: Der Parkplatz bringt den Mann im Rollstuhl immer noch zur Verzweiflung. Ein oder zwei Eimerchen Teer würden schon reichen, um die Kante im Fahrbahnbelag zu glätten, die ihm das Aussteigen zur Tortur macht. Es ist nur etwa ein Zentimeter Höhenunterschied, doch für Gerd Brinkmanns Füße oder die Reifen des Rollstuhls tut sich hier ein kaum zu überwindendes Hindernis auf. Nun hofft er, dass demnächst Mitarbeiter vom Stadtbetrieb Iserlohn Hemer (SIH) ein Erbarmen haben und für geteerten Ausgleich sorgen.


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