Heiko Cordes
12. März 2017 | Titelseite

Polizei im Märkischen Kreis zieht Bilanz: Art der Kriminalität verschiebt sich

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Michael Kuchenbecker, Leitender Polizeidirektor im Märkischen Kreis, Kriminaldirektor Achim Spröde, Leiter der Direktion Kriminalität, und Polizei-Presssprecher Marcel Dilling informierten über die Kriminalstatistik des Märkischen Kreises.  (Foto: Cordes)

Michael Kuchenbecker, Leitender Polizeidirektor im Märkischen Kreis, Kriminaldirektor Achim Spröde, Leiter der Direktion Kriminalität, und Polizei-Presssprecher Marcel Dilling informierten über die Kriminalstatistik des Märkischen Kreises. (Foto: Cordes)

Iserlohn (hc) Bei der Präsentation der Kriminalstatistik für das Jahr 2016 machten Kriminaldirektor Achim Spröde, Leiter der Direktion Kriminalität, sowie Michael Kuchenbecker, Leitender Polizeidirektor im Märkischen Kreis, vor allem eins deutlich: Es gibt den kreisweiten Trend einer Verschiebung bei den Verbrechen. Während es deutlich weniger Einbrüche beziehungsweise Einbruchsversuche in MK gab und auch der Taschendiebstahl abnahm, ist ein spürbarer Anstieg von gefährlicher Körperverletzung zu verzeichnen.

„Das Grundböse schläft nicht. Aber die Polizei im Märkischen Kreis auch nicht“, sagte Kuchenbecker gleich zu Beginn. Das darf zum einem als Warnung an die Verbrecher im Märkischen Kreis verstanden werden, zum anderen aber auch als Aufruf an die Bürger. Schließlich wiesen Spröde und Kuchenbecker bei der Präsentation mehrfach darauf hin, dass die Mithilfe von aufmerksamen Bürgerinnen und Bürgern enorm wichtig ist. „Die 110 wählen und Bescheid sagen, wir kommen immer“, bekräftigt Kuchenbecker.
Zusammenarbeit kann fruchten
Wie gut das Zusammenspiel zwischen Bürgern und Polizei funktionieren kann, ist am Beispiel der Kampagne „Riegel vor“ abzulesen. Durch die präventive Arbeit der Polizei konnte eine Vielzahl an Einbrüchen im Märkischen Kreis bereits im Keim erstickt werden. Gegen den Trend bewegen sich vor allem zwei Städte: Iserlohn und Hemer. Hier gab es einen Zuwachs von 28,25 Prozent (Iserlohn) und 45,35 Prozent (Hemer).
Gerade in der Waldstadt hat Kriminaldirektor Achim Spröde eine Erklärung für diesen Anstieg. „In Iserlohn gibt es eine Gruppe Jugendlicher, die immer wieder einbricht, die wir aber nicht von der Straße kriegen“, so Spröde.
Durch die immer wieder wechselnden Einbrecher und die für „lokale Laienspieler“ (Spröde) schon ziemlich professionelle Vorgehensweise sei es schwer, dieser Bande juristisch das Handwerk zu legen.
Außerdem beklagt er vor allem das Eindringen von auswärtigen Gruppen hauptsächlich aus den Nordstädten des Ruhrgebiets. Diese Gruppen seien spezialisiert auf Einbrüche und Dinge, die sich schnell zu Geld machen lassen. Dabei wird in einem kriminalgeographischen Raum nicht an Stadtgrenzen Halt gemacht, was die Statistik gerade in den beiden Nachbarstädten Iserlohn und Hemer nach oben trieb.
Ursache Rudelgucken?
Überdies verzeichnet die Polizei in der hiesigen Region einen Zuwachs in puncto Körperverletzung.
Dabei hat der Kriminaldirektor einen Zwei-Jahres-Rhytmus erkannt. „Vor allem in den Jahren mit vielen Public-Viewings und dem damit verbundenen Alkoholkonsum war es problematisch“, nennt er eine Beobachtung, die in den kommenden Jahren genauer beäugt werden soll. Allerdings wird ihm der letzte große Erfolg der Fußball-Nationalmannschaft zumindest für das Jahr 2017 einen Strich durch die Rechnung machen – schließlich steht die DFB-Auswahl als amtierender Weltmeister als Teilnehmer des Confed-Cups in Russland bereits fest. Daher ist erst das Jahr 2019 dafür prädestiniert, dieser Beobachtung tiefgehender auf den Zahn zu fühlen.
Mehr Sensibilität für Opfer
Bei den sexuellen Übergriffen stellen die Verantwortlichen eine zweigeteilte Entwicklung fest. Zum einem gibt es weniger Übergriffe auf Kinder und Jugendliche, zum anderen ist die Zahl der gemeldeten sexuellen Belästigungen/Vergewaltigungen teils deutlich gestiegen. Das erklärt man sich bei der Polizei auch mit der gestiegenen Sensibilität der Gesellschaft im Umgang mit diesem Thema. Zudem hat die geänderte Gesetzeslage vor allem die Position der Frau gestärkt. Grundtenor war, dass einfach mehr Frauen die Fälle zur Anzeige bringen. Das wiederum erscheint in der Statistik.
Wie die Dunkelziffer aussieht, weiß niemand. Damit aber Polizei und Justiz ihrer Arbeit nachgehen können, ermunterten die Verantwortlichen eindrücklich dazu, jeden Fall auch anzuzeigen.
Verbesserungen angestrebt
Trotz des aus Polizeisicht positiven Trends, wollen Kuchenbecker („Wir werden uns auf keiner Zahl ausruhen“) und Spröde („Wir wollen besser werden.“) ihre Arbeit noch erfolgreicher gestalten. Als Maßnahme sehen sie vor allem die bessere Auswertung und Vernetzung zwischen den einzelnen Polizeidienststellen, um gegebenenfalls Muster früher zu erkennen. Das kann zum Beispiel im Falle von Einbrecherbanden, die an verschiedenen Orten auftauchen und durch Zeugenaussagen wiederholt beschrieben werden, genutzt werden.
Steigende Gewalt gegen Einsatzkräfte
Ein besonderes Plädoyer für mehr Respekt vor den Einsatzkräften hielt Michael Kuchenbecker. Die Anzahl der Gewalt gegen Einsatzkräfte ist steigend, der Respekt sinkt deutlich. Dafür herrscht großes Unverständnis bei der Polizei, die sich nach wie vor als „Freund und Helfer“ sieht. Dass wiederum ein Helfer zum Opfer wird, ist ein für die Polizei nicht hinnehmbarer Zustand, der auch auf Feuerwehren, Rettungssanitäter und alle anderen Einsatzkräfte auszudehnen ist. Eine Verbesserung des Klimas zwischen Bevölkerung und Einsatzkräften sei daher im Sinne beider Seiten, die von einem respektvollen Umgang nur profitieren könnten.


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