Andrea Schneider
11. August 2017 | IS Ortsteil City

Von der Ruine zum schmucken Turmhaus

Bilder
Michael Knaack und Heike Berlinski von der Unteren Denkmalbehörde bei der Stadt Iserlohn und Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens überreichten die Denkmalplakette des Landes NRW an die Eigentümer des „Turmhauses“ Michaela und Dirk Gärtner (v.l.). (Foto: Stadt Iserlohn)

Michael Knaack und Heike Berlinski von der Unteren Denkmalbehörde bei der Stadt Iserlohn und Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens überreichten die Denkmalplakette des Landes NRW an die Eigentümer des „Turmhauses“ Michaela und Dirk Gärtner (v.l.). (Foto: Stadt Iserlohn)

Iserlohn. Rund 250 Baudenkmäler wurden in Iserlohn nach Inkrafttreten des Denkmalschutzge­setzes am 1. Juli 1980 unter Schutz gestellt. Das „Turmhaus“ an der Waldemeistraße 10d ist eines davon.
In Anerkennung für die im allgemeinen Interesse übernommenen Pflichten zur Erhaltung des Denkmals und damit zur Bewahrung des kulturellen Erbes in Nordrhein-Westfalen wurde den Eigentümern Dirk und Michaela Gärtner jetzt die Denkmalplakette des Landes nebst Urkunde verliehen.
Plakette und Urkunde wurden am Montag, 24. Juli, übergeben von Heike Berlinski und Michael Knaack von der Unteren Denkmalbehörde bei der Stadt Iserlohn. Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens gratulierte ebenfalls zu dieser besonderen Auszeichnung.
Einer der wenigen Adelssitze
Das „Turmhaus“ wurde am 14. Juni 1996 aus künstlerischen, wissenschaftlichen und städtebaulichen Gründen in die Denkmalliste der Stadt Iserlohn eingetragen. Das zweigeschossige ehemalige Guts­haus in Bruchstein stammt aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Die hochrecht­eckigen Fensteröffnungen sind neueren Datums, nur in den beiden Giebelschilden sind ursprüngliche Öffnungen als Luken erhalten. Das Innere ist nach dem Grundrissprinzip von Saal und Saalkammer geteilt. Dazwischen befindet sich ein großer Kaminblock, dessen Schornstein die Firstlinie des Satteldachs teilt. Der Eingang befindet sich an der östlichen Traufseite, im Inneren erfolgt die Erschließung über eine einläufige Treppe.
In ihren Ausführungen zur Unterschutzstellung des Gebäudes schrieb die LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen (Münster) unter anderem: „Im Bezug auf die gesamte Stadt gehört das Turmhaus auf dem ehemaligen Haus Wermingsen zur ältesten Bausubstanz der Stadt überhaupt, belegt den historischen Entwicklungsprozess der Stadt und der Ortslage in nicht unerheblicher Weise und stellt einen der wenigen noch erhaltenen Adelssitze in der Stadt dar.”
Hindernisse aus dem Weg räumen
Nach Abstimmungsgesprächen mit der Unteren Denkmalbehörde bei der Stadt Iserlohn und insbesondere mit der Denkmalbehörde beim LWL haben die Eheleute Gärtner das schon stark verfallene Gebäude umfangreich renoviert.
Noch im Jahr 2014 bestand es praktisch nur noch in seiner äußeren Hülle. Bereits der Vorbesitzer hatte die Bodenplatte komplett entfernt, sodass im Inneren nur noch ein Erdboden existierte. Die Holzlehmdecken in den oberen Geschossen waren durch Wassereinbrüche stark geschädigt. Fehlende Dachpfannen und mangelhafte Dachanschlüsse hatten das Übrige zum Verfall des Gebäudes beigetragen.
Da das „Turmhaus“ nicht an einer öffentlichen Straße lag, mussten im Vorfeld einige erschließungsrechtliche Hindernisse aus dem Weg geräumt werden. Mit viel Engagement und Einfühlungsvermögen haben die Eheleute Gärtner schließlich die Zustimmung der Nachbarn bekommen.
Im Haus wurde eine neue Betonbodenplatte eingebaut und die alten Kunststofffenster durch neue denkmalgerechte Fenster ersetzt. Auch die beiden Geschossdecken wurden saniert. Dabei mussten stark geschädigte Holzbalken ausgebaut und durch neue ersetzt werden. Die Natursteinwände im Inneren wurden gesäubert und neu verfugt. Das Dach erhielt eine neue denkmalgerechte Tonpfanneneindeckung. So wurde das Gebäude in nur einjähriger Bauzeit von einer Ruine in ein bewohnbares Einfamilien-Wohnhaus umgebaut.



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