Andrea Schneider
14. März 2017 | Titelseite

Grübeln nach einer guten Tat in Geisecke

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Nach einer guten Tat kam Ralf Neumann ins Grübeln. Warum wurde nicht sofort ein Rettungswagen zu einem Verletzten geschickt, den er gefunden hatte? Warum musste er den Mann selbst ins Krankenhaus bringen? (Foto: as)

Nach einer guten Tat kam Ralf Neumann ins Grübeln. Warum wurde nicht sofort ein Rettungswagen zu einem Verletzten geschickt, den er gefunden hatte? Warum musste er den Mann selbst ins Krankenhaus bringen? (Foto: as)

Geisecke. (as) Es ist die Geschichte von einem, der gewaltig ins Grübeln gekommen ist. War es richtig, einen verletzten Mann selbst ins Krankenhaus zu transportieren, anstatt, nachdem er die Notrufnummer gewählt hatte, darauf zu bestehen, dass er von einem Rettungswagen abgeholt würde? Diese Frage geht Ralf Neumann seit einer guten Woche nicht mehr aus dem Kopf.
Doch von vorn. Mit seiner Frau kehrte Ralf Neumann in der Nacht von Freitag, 3., auf Samstag, 4. März, von einer Feier nach Geisecke zurück. Kurz vor zu Hause sahen beide zwei Männer aus der Nachbarschaft am Straßenrand. Einer stand, einer lag. Brauchten die beiden Hilfe? Das Paar war zwar schon an dem Duo vorbeigefahren, kehrte aber noch einmal um.
Schnell stellte sich heraus, dass die beiden Herren etwas zu tief ins Glas geschaut hatten. Das Angebot, sie die letzten paarhundert Meter nach Hause zu fahren, nahmen beide dankend an. Nur: Einer der beiden war verletzt. Er konnte nicht stehen und nicht gehen. Schonend wuchteten dessen Freund und Ralf Neumann den Versehrten auf den Autositz.
Notruf gewählt
Hatte der Mann sich nur das Bein verletzt oder war da noch etwas Anderes, fragte sich Ralf Neumann. Um als Ersthelfer nichts falsch zu machen, wählte er den Notruf. Er wollte den Verletzten unter ärztlicher Aufsicht ins Krankenhaus bringen lassen. Mittlerweile war es 0.58 Uhr am Samstagmorgen.
„Sie brauchen zwar nicht mit Blaulicht zu kommen, aber bitte kommen Sie“, hatte Ralf Neumann dem Helfer in der Kreisleitstelle gesagt. Doch daraus wurde nichts. „Ich bin in ein Gespräch verwickelt worden“, sagt Ralf Neumann. Schließlich wurde er gefragt, ob er den Verletzten denn nicht eben selbst ins Krankenhaus transportieren könne. Ralf Neumann stutzte, zögerte, sagte aber schließlich Ja. Was sollte sonst aus dem Verletzten werden? Weil er selbst bei der Feier auch ein Bierchen zuviel getrunken hatte, um noch selbst fahren zu können, seine Frau sich aber auf ihren Arbeitstag vorbereiten musste, organisierte Ralf Neumann mitten in der Nacht einen Fahrer, der ihm half, den Verletzten ins Krankenhaus zu transportieren. Im Marienhospital selbst mussten sie den verletzten Mann wiederum selbst in einen Rollstuhl bugsieren und zur Notaufnahme fahren.
Wie Ralf Neumann später erfahren hat, soll der Mann, den er transportiert hat, einen oder mehrere Brüche am Bein erlitten haben, die im Krankenhaus operiert werden mussten.
Nun begann das Grübeln. Immer wieder stellte er sich die Frage: Was wäre gewesen, wenn...? Wenn er mit dem Transport die Lage des Patienten verschlimmert hätte? Wenn er andere Verletzungen, die vielleicht einen liegenden Transport nötig gemacht hätten, nicht bemerkt hätte? Was wäre aus dem Mann geworden?
Schnellster Weg zur Hilfe
Beim Kreis Unna gibt man sich gelassen. „Der Disponent in der Kreisleitstelle sucht nach dem schnellsten Weg zur Hilfe“, sagt Birgit Kalle, stellvertretende Pressesprecherin des Kreises Unna. „Deshalb ist es nicht unüblich zu fragen, ob der Ersthelfer den Verletzten selbst ins Krankenhaus bringen kann, wenn das der schnellste Weg ist.“ Sie versichert aber auch: „Der Anrufer wurde gefragt, ob ein RTW geschickt werden solle.“ Den Informationen aus der Kreisleitstelle konnte sie entnehmen, dass man sich schließlich einvernehmlich geeinigt habe, dass Ralf Neumann den Verletzten selbst ins Krankenhaus bringen würde.
„Einvernehmlich geeinigt“. Ralf Neumann grübelt. „Ja, irgendwie schon“, sagt er. Aber an das Angebot, einen Rettungswagen zu schicken, kann er sich nicht erinnern. Denn ihm ist klar: „Wenn man nicht weiß, wie schwer ein Mensch verletzt ist, kann man viel falsch machen.“
Ralf Neumann ist froh, dass er helfen konnte und die Verletzungen bei dem Transport im Auto offensichtlich nicht schlimmer geworden sind. Doch ein vages Gefühl bleibt: „Es war sehr verstörend. Ich hab mich allein gelassen gefühlt mit einer Verantwortung, die ich als Ersthelfer gar nicht erfüllen konnte.“


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