Norbert Fendler
17. Mai 2017 | Titelseite

Schwerter Autorin: Was geschah im „Schattenpark“?

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Die Schwerter Autorin Chris Tewes hat mit „Schattenpark“ ihr zweites Buch vorgelegt. Die Leser werden einigen Protagonisten auch in ihrem nächsten Roman wieder begegnen. (Foto: NO)

Die Schwerter Autorin Chris Tewes hat mit „Schattenpark“ ihr zweites Buch vorgelegt. Die Leser werden einigen Protagonisten auch in ihrem nächsten Roman wieder begegnen. (Foto: NO)

Schwerte. (NO) „Schattenpark“ heißt der neue Roman von Chris Tewes. Ein Krimi? Das Cover - zu sehen ist eine leere Parkbank in herbstlich anmutendem Umfeld - mag diesen Eindruck vermitteln. Doch eindeutig lässt sich „Schattenpark“ dem Krimi-Genre nicht zuordnen, obwohl der Text auf der Buchrückseite auf ein Verbrechen zu verweisen scheint.

„Entsetzen macht sich in der kleinen Stadt Erpelsbrück breit, als im Nordpark der geschändete Leichnam einer alten Frau gefunden wird. Doch noch bevor ein morgendlicher Jogger die grausige Entdeckung meldet, haben verschiedene Parkbesucher die Leiche längst entdeckt. Warum hat niemand die Polizei gerufen? Was haben sie zu verbergen? Ist einer von ihnen der Täter?“
Szenen verknüpft
„Zunächst hatte ich gar keinen Plot, sondern Szenen im Kopf“, sagt Chris Tewes zur Entstehung ihres zweiten Romans „Schattenpark“. Knapp ein Jahr hat sie daran geschrieben, etliche Fährten gelegt, die Personen gruppiert, Querverbindungen erzeugt, Protagonisten erschaffen, die selber Opfer ihrer Lebensumstände werden.
Typen aus dem Leben
Ronny mit seiner verklemmten Sexualität beispielsweise, der mit seinen 22 Jahren in einer winzigen Wohnung seine Mutter pflegt und nur einmal gewagt hat, gegen Mama aufzubegehren. Paul, einst ganz oben auf der Karriereleiter, ist heruntergekommen, aber frei, lernt die kontaktgestörte Samantha kennen, der in der Kindheit übel mitgespielt wurde, und entsetzt sie mit grausigen Begebenheiten, die er auf Reisen in Indien erlebte.
Justin, der immer Wut im Bauch hat, lebt mit seinen Zwillingsgeschwistern bei seiner alleinerziehenden Mutter, der es kaum gelingt, den Alltag zu managen. Justin muss Kurs halten - und ist in Gefahr abzudriften. Die schicke Lydia kommt vor, die irgendwie noch nicht zu ihrem eigenen Leben gelangt ist. Ihr Pudel Bonny wird ebenfalls eine Rolle spielen im „Schattenpark“, in dem die alte Frau Minna ihr Leben verliert.
Weg zur Literatur
„Es war ein spannender Prozess zu beobachten, wie beim Schreiben die Charaktere Kontur bekommen“, sagt Chris Tewes, die mit „bürgerlichem“ Namen Christiane Pieper heißt und 1958 das Licht der Welt in Herne erblickte, wo sie auf den Hinterhöfen des Stadtviertels eine unbeschwerte Kindheit verbrachte.
„In Recklinghausen beschritt ich später meinen aufregenden Weg ins Erwachsenenleben, das mit einer Buchhändlerlehre ein erster Hinweis auf meine jetzige Tätigkeit hätte sein können. Doch es kam anders. Nach einer längeren Erziehungspause, folgte eine weitere Ausbildung - die zur Heilerzieherin. Einige spannende Jahre in der OGS einer Förderschule in Hagen-Wehringhausen gingen meinem Wunsch voraus, mich der Literatur zu widmen.“ Die Jahre haben abgefärbt: So fanden einzelne Aspekte ihrer Erfahrungen in der OGS auch in der Romanfigur Justin im Buch „Schattenpark“ ihren Niederschlag.
Öko-Thriller
Chris Tewes lebt mit ihrem Mann in Schwerte und frönt nun schon seit Jahren ihrem geliebten Hobby. Zunächst entstanden Kurzgeschichten. Dem „Schattenpark“ (Ruhrliteratur Bochum) wiederum ging der Öko-Thriller „Im Dunkel des Dschungels“ (Amrun Verlag) voraus. In ferner Zukunft sind Männer durch Umweltgifte zeugungsunfähig geworden und die letzten fruchtbaren Clans des Regenwaldes werden als Samenspender missbraucht. Sina, Helen und Kader kommen der Herkunft der seltenen Spermien auf die Spur und begeben sich auf die Reise in den Dschungel, um sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Als ihr Führer verschwindet, sind die drei Frauen auf sich allein gestellt und die Suche nach ihrem persönlichen Glück wird zur größten Gefahr.
Unterschwellige Gewalt
Wie „Im Dunkel des Dschungels“ ist in Chris Tewes zweitem Roman „Schattenpark“ das Thema „sexuelle Gewalt“ unterschwellig präsent, reflektiert auch in den schrecklichen Reiseerlebnissen, die Tewes ihren Charakter Paul erzählen lässt. Die Schwerter Autorin, die selber noch nie in Indien war, gern einmal aber dort hinreisen würde, hat sich entschlossen, den Erlös ihres neuen Buchs anteilmäßig dem Projekt „Tempelprostitution: schmutziges Geschäft mit Kindern“ der Kindernothilfe zukommen zu lassen.
Es geht weiter
Mittlerweile hat Christ Tewes einen dritten Roman in Planung. Wie in „Schattenpark“ soll die Handlung ebenfalls in der fiktiven Stadt Erpelsbrück spielen. Zu erwarten ist keine Fortsetzung, aber die Leser werden wieder bekannten Charakteren wie Paul, Samantha, Justin und Ronny begegnen. Und erfahren, was das Schicksal - bzw. Chris Tewes Phantasie – diesmal für sie bereithält.



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