In Gedichten fährt sie über stille Gewässer, in Ägypten trug sie den Sonnengott, und im Hafen liegt sie neben dem großen Schiff. Gemeint ist jedes Mal dasselbe schlichte Fahrzeug.
Eine Barke ist ein kleines, offenes Boot ohne Deck. Sie wird gerudert, gelegentlich auch mit einem einfachen Segel bewegt, und diente über Jahrhunderte als Fischerboot, Fährboot oder Beiboot eines größeren Schiffs.
Woran man eine Barke erkennt
Der Begriff bezeichnet keinen genormten Bootstyp, sondern eine Bauart. Diese Merkmale sind typisch:
- offener Rumpf ohne durchgehendes Deck
- Bänke quer über die Breite, für Ruderer und Fracht
- Antrieb durch Riemen, seltener durch ein kleines Segel
- Bauweise aus Holz, in klassischer Form aus Planken
- Länge meist zwischen fünf und zehn Metern
Das Wort wird heute vor allem historisch und literarisch verwendet. Wer im Hafen ein Ruderboot sieht, nennt es Boot oder Jolle. Barke klingt gehoben und taucht deshalb oft in Übersetzungen alter Texte auf.
Barke oder Bark: der wichtigste Unterschied
Diese beiden Wörter unterscheiden sich um einen einzigen Buchstaben und bezeichnen doch völlig verschiedene Fahrzeuge. Sie sind zwar sprachlich verwandt, haben sich aber im 19. Jahrhundert getrennt.
| Barke | Bark | |
|---|---|---|
| Größe | kleines Boot | großes Segelschiff |
| Masten | keiner oder einer | mindestens drei |
| Deck | offen | vollständig gedeckt |
| Besatzung | wenige Personen | mehrere Dutzend |
| Einsatz | Küste, Fluss, Beiboot | Hochseefahrt |
Eine Bark ist genau bestimmt: Alle Masten außer dem hintersten tragen Rahsegel, der hinterste Mast trägt ein Schratsegel längs zum Schiff. Diese Takelung war im 19. Jahrhundert im Frachtverkehr weit verbreitet, weil sie mit weniger Mannschaft auskam als ein Vollschiff.

Barke, Barkasse und Bake
Zwei weitere Wörter werden regelmäßig damit verwechselt.
Die Barkasse ist ein motorbetriebenes Boot für den Hafenverkehr. Historisch war sie das größte Beiboot eines Kriegsschiffs. In Hamburg fahren bis heute Barkassen durch den Hafen und die Speicherstadt, und dort ist der Begriff jedem geläufig.
Die Bake dagegen hat mit Booten nichts zu tun. Sie ist ein festes Seezeichen, das Untiefen oder Fahrwasser markiert, und im Straßenverkehr bezeichnet das Wort die schrägen Streifentafeln vor einem Bahnübergang. Der Anklang ist reiner Zufall, die Wörter haben verschiedene Wurzeln.
| Begriff | Was gemeint ist |
|---|---|
| Barke | kleines offenes Ruderboot |
| Bark | großes Segelschiff mit mindestens drei Masten |
| Barkasse | Motorboot im Hafenverkehr |
| Bake | Seezeichen oder Verkehrszeichen an Land |
Barke, Nachen, Kahn oder Jolle
Für kleine Boote kennt das Deutsche eine ganze Reihe von Wörtern, und sie meinen nicht dasselbe.
| Wort | Was es bezeichnet |
|---|---|
| Barke | offenes Ruderboot, oft historisch oder literarisch |
| Nachen | flacher Einbaum oder Flusskahn, regional verbreitet |
| Kahn | flaches Boot für ruhige Gewässer, auch spöttisch für ein altes Schiff |
| Jolle | kleines Segelboot mit beweglichem Schwert statt Kiel |
| Gig | schmales, schnelles Ruderboot, früher für Offiziere |
Im heutigen Sprachgebrauch hat die Jolle die Barke weitgehend verdrängt, weil sie einen klar definierten Bootstyp bezeichnet. Die Barke lebt dafür in Texten weiter.
Woher das Wort stammt
Die Spur führt weit zurück. Ausgangspunkt ist das griechische Wort baris, das ein Nilboot bezeichnete und vermutlich aus dem Koptischen entlehnt wurde.
Daraus wurde im späten Latein barca. Über das Italienische und das Französische, wo das Boot barque heißt, gelangte der Begriff ins Mittelniederländische und von dort ins Mittelhochdeutsche.
Aus derselben Wurzel stammen mehrere bekannte Wörter. Die Barkarole ist das Lied der venezianischen Gondoliere, benannt nach der barca. Im Englischen stecken embark und disembark darin, also an Bord gehen und von Bord gehen. Und wie viele Begriffe der Seefahrt und der Musik kam auch dieser über das Italienische ins Deutsche, ähnlich wie das Duo.
Wie sich die Bedeutung eines Wortes über die Jahrhunderte verschiebt, lässt sich auch an der Blaupause gut beobachten.
Die Sonnenbarke im alten Ägypten
Der bekannteste Gebrauch des Wortes stammt aus der Religion. Nach altägyptischer Vorstellung fuhr der Sonnengott in einer Barke über den Himmel, tagsüber in der Tagbarke, nachts durch die Unterwelt in der Nachtbarke.
Daneben gab es Prozessionsbarken. Bei Festen trugen Priester das Bild des Gottes in einem barkenförmigen Schrein durch die Stadt. Solche Szenen sind in Tempeln wie Karnak in Stein gehauen.

Berühmt ist das 1954 an der Cheops-Pyramide gefundene Schiff aus Zedernholz, rund 43 Meter lang und in Einzelteilen vergraben. Es wird gern Sonnenbarke genannt, wofür es tatsächlich gedacht war, ist unter Fachleuten allerdings umstritten.
Auch in der griechischen Mythologie fährt eine Barke: Charon setzt die Toten über den Fluss in die Unterwelt. Aus diesem Bild stammt der Ausdruck Totenbarke.
Wo Ihnen das Wort heute begegnet
Im Alltag ist der Begriff selten geworden, in bestimmten Zusammenhängen aber fest verankert.
- In Bibelübersetzungen und älterer Literatur steht Barke für jedes kleine Boot.
- In der Ägyptologie ist er ein Fachbegriff für Kult- und Grabschiffe.
- In der Lyrik dient das Bild als Sinnbild für Übergang und Vergänglichkeit.
- Im Tourismus heißen manche Ausflugsboote so, etwa auf dem Nil oder in Venedig.
- In Wappen und Ortsnamen taucht die Barke als Zeichen für Handel und Fischerei auf.
Wer historische Schiffe im Original sehen möchte, wird beim Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven fündig, einem Leibniz-Institut für maritime Geschichte. Dort steht unter anderem die Bremer Kogge von 1380.
Kurz gefasst
- Eine Barke ist ein kleines, offenes Boot ohne Deck.
- Bewegt wird sie mit Riemen, gelegentlich mit einem einfachen Segel.
- Eine Bark ist dagegen ein großes Segelschiff mit mindestens drei Masten.
- Die Barkasse ist ein Motorboot im Hafenverkehr, die Bake ein Seezeichen.
- Das Wort geht über das Italienische auf das griechische baris zurück.
- Im alten Ägypten fuhr der Sonnengott in einer Barke über den Himmel.
