Edelsteinwasser: Nebenwirkungen und sichere Steine

Zuletzt aktualisiert:

Lesedauer: 5 Minuten

Ein Stein in der Karaffe sieht harmlos aus. Und in den meisten Fällen ist er das auch, solange es der richtige Stein ist.

Nebenwirkungen von Edelsteinwasser entstehen auf zwei Wegen: Der Stein gibt lösliche Bestandteile ab, oder das lange stehende Wasser wird zum Nährboden für Keime. Beides lässt sich vermeiden.

Was im Glas tatsächlich passiert

Chemisch geschieht bei den meisten Edelsteinen sehr wenig. Bergkristall, Amethyst und Rosenquarz bestehen aus Siliziumdioxid. Dieses Mineral ist chemisch stabil und in Wasser praktisch unlöslich, weshalb aus so einem Stein bei Raumtemperatur nichts Nennenswertes austritt.

Genau das ist aber auch die Kehrseite. Wenn nichts austritt, verändert der Stein das Leitungswasser nicht messbar. Die oft genannten Schwingungen und Informationen lassen sich mit keinem Verfahren nachweisen, und auch die Energie eines Kristalls ist keine physikalisch messbare Größe.

Anders sieht es bei Mineralien aus, die lösliche Metallverbindungen enthalten. Hier kann tatsächlich etwas ins Wasser übergehen, und deshalb ist die Auswahl der Steine keine Geschmacksfrage.

Was Anwender vom Energetisieren erwarten

Um die Risiken einzuordnen, hilft ein Blick auf die Vorstellung dahinter. In der Esoterik gelten Heilsteine als Träger einer eigenen Energie, die sie an das Wasser weitergeben sollen. Jedem Stein wird dabei eine andere Wirkung zugeschrieben: Rosenquarz steht für Ruhe, Amethyst für Klarheit, Citrin für Antrieb.

Das Wasser soll diese energetische Information aufnehmen und beim Trinken weitergeben. Genau deshalb spielt es für die Anhänger auch keine Rolle, ob sich chemisch etwas löst.

Diese Erwartung erklärt zwei Beobachtungen. Erstens greifen viele Anwender zu Steinen, die sie nach ihrer Bedeutung auswählen, nicht nach ihrer Zusammensetzung. Genau dabei landen problematische Mineralien wie Malachit im Glas. Zweitens ist die indirekte Methode aus dieser Sicht kein Verzicht, weil die angenommene Übertragung nicht an Kontakt gebunden sein soll.

Wer die energetische Deutung teilt, verliert also nichts, solange die Steine sicher gewählt sind. Und wer sie nicht teilt, hat ohnehin nur eine schöne Karaffe vor sich.

Welche Nebenwirkungen möglich sind

Die Risiken sind überschaubar, aber sie sind real. Diese vier treten in der Praxis auf.

Risiko Ursache Woran erkennbar
Schwermetalle im Wasser lösliche Mineralien wie Malachit oder Bleiglanz Verfärbung, metallischer Geschmack
Keime stehendes Wasser bei Zimmertemperatur trüber Belag, schleimige Oberfläche
Splitter im Glas poröse oder rissige Steine sichtbare Bruchstellen am Stein
Verzögerte Behandlung Vertrauen auf eine Wirkung, die es nicht gibt Beschwerden bleiben bestehen

Der letzte Punkt wird oft übersehen, ist aber der wichtigste. Wer ernsthafte Beschwerden mit Edelsteinwasser behandeln möchte, verliert Zeit.

Keime sind das häufigere Problem

Schwermetalle betreffen nur bestimmte Steine, Keime dagegen jedes Glas, das lange steht. Das Umweltbundesamt beschreibt die Hygieneanforderungen an Trinkwasser im Detail, und ein Punkt daraus gilt hier unmittelbar: Legionellen und andere Bakterien vermehren sich besonders zwischen etwa 25 und 55 Grad.

Eine Karaffe auf dem Fensterbrett erreicht im Sommer genau diesen Bereich. Auf der Oberfläche des Steins bildet sich mit der Zeit ein feiner Biofilm, der von außen kaum zu sehen ist.

Welche Steine nicht ins Trinkwasser gehören

Diese Mineralien enthalten Bestandteile, die sich lösen können. Sie sind für die direkte Methode ungeeignet.

Stein Problematischer Bestandteil
Malachit, Azurit Kupfer
Bleiglanz (Galenit) Blei
Zinnober Quecksilber
Realgar, Auripigment Arsen
Pyrit, Markasit Eisensulfid, bildet Säure
Lapislazuli Pyriteinschlüsse, oft gefärbt
Türkis Kupfer, stark porös
Selenit, Steinsalz löst sich im Wasser auf
Fluorit Fluoridverbindungen
Hämatit Eisen, rostet und färbt

Türkis ist ein gutes Beispiel für den Unterschied zwischen Tragen und Trinken. Als Schmuck ist er unbedenklich, im Wasser saugt er sich voll und kann Kupfer abgeben. Ausführlich steht das in unserem Beitrag dazu, ob Türkis giftig ist.

Vorsicht ist außerdem bei gefärbten und stabilisierten Steinen geboten. Was dort an Farbstoff oder Kunstharz eingebracht wurde, steht auf keinem Etikett.

Welche Steine chemisch unbedenklich sind

Die Quarzfamilie ist die sichere Wahl. Diese Kristalle sind hart, dicht und lösen sich nicht.

  • Bergkristall
  • Amethyst
  • Rosenquarz
  • Citrin, sofern natürlich und nicht gebrannt
  • Rauchquarz
  • Achat, Jaspis und Karneol

Die Kombination aus Bergkristall, Amethyst und Rosenquarz ist die verbreitetste Mischung im Handel, und sie ist chemisch stabil. Zwei bis drei Steine pro Liter genügen, mehr bringt nichts und erhöht nur die Oberfläche, auf der sich Keime ansiedeln können.

Wichtig bleibt der Zustand des Steins. Ein rissiges oder angeschlagenes Stück kann Splitter abgeben und bietet Keimen mehr Fläche. Verwenden Sie nur glatte, unbeschädigte Kristalle.

Übersicht sicherer und ungeeigneter Steine für Edelsteinwasser
Quarze sind chemisch unbedenklich, kupfer- und bleihaltige Mineralien gehören nicht ins Wasser.

Die indirekte Methode

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, vermeidet den direkten Kontakt zwischen Stein und Wasser komplett. Genau dafür gibt es die indirekte Methode.

Der Stein sitzt dabei in einem geschlossenen Glasröhrchen oder in einem separaten Fach der Karaffe. Er berührt das Wasser nie. Damit fallen sowohl gelöste Metalle als auch der Biofilm auf dem Stein als Risiko weg.

Für die Anhänger der Methode ändert das nichts, weil die angenommene Wirkung ohnehin nicht auf gelösten Stoffen beruhen soll. Und wer skeptisch ist, hat wenigstens ein Glas Wasser ohne zusätzliche Risiken.

Ein zweiter sicherer Weg: Legen Sie den Stein außen an die Karaffe oder darunter. Praktisch dasselbe Prinzip, ohne Spezialgefäß.

Wie lange die Steine im Wasser bleiben dürfen

Hier gilt dieselbe Regel wie für jedes andere Wasser, das offen steht.

  1. Bei Zimmertemperatur nicht länger als zwei bis drei Stunden ziehen lassen.
  2. Über Nacht nur im Kühlschrank und abgedeckt.
  3. Wasser, das länger als einen Tag stand, wegschütten statt trinken.
  4. Nie warmes Wasser verwenden, das beschleunigt sowohl Keimwachstum als auch das Lösen von Mineralien.

Die verbreitete Empfehlung, das Wasser in der Sonne stehen zu lassen, ist aus hygienischer Sicht die schlechteste Variante. In der Sonne erwärmt sich das Wasser auf genau die Temperaturen, bei denen sich Bakterien am schnellsten vermehren.

Wassersteine richtig reinigen

Ein Stein, der regelmäßig im Trinkwasser liegt, braucht dieselbe Pflege wie ein Trinkgefäß.

  • Nach jeder Verwendung unter fließendem Wasser abspülen und mit einer weichen Bürste abreiben.
  • Einmal pro Woche gründlicher reinigen, etwa mit heißem Wasser und etwas Spülmittel, danach sehr gut nachspülen.
  • Vollständig trocknen lassen, bevor der Stein wieder eingesetzt wird.
  • Keine Spülmaschine und kein Ultraschallreiniger, beides beschädigt viele Mineralien.
  • Steine mit sichtbaren Rissen oder stumpfen Stellen aussortieren.

Wie sich matt gewordene Steine wieder aufbereiten lassen, steht im Beitrag zum Polieren matter Edelsteine.

Bergkristall wird unter fließendem Wasser mit einer weichen Bürste gereinigt
Wassersteine gehören nach jeder Verwendung unter heißes Wasser.

Wirkt Edelsteinwasser? Was die Wissenschaft sagt

Diese Frage gehört zur Sicherheitsfrage dazu, denn sie entscheidet darüber, was Anwender von dem Wasser erwarten.

Klinische Studien zur Wirkung von Edelsteinwasser gibt es nicht. Die Wissenschaft kennt keinen Mechanismus, über den ein unlöslicher Kristall die Zusammensetzung von Leitungswasser verändern könnte, und entsprechende Messungen sind bislang nicht gelungen. Was die Wissenschaft sagt, deckt sich hier mit dem, was Chemie und Physik erwarten lassen.

Dass viele Menschen dennoch positive Erfahrungen berichten, lässt sich trotzdem gut erklären. Wer eine schöne Karaffe auf den Tisch stellt, trinkt schlicht mehr Wasser, und das allein wirkt sich auf Konzentration und Wohlbefinden aus. Dazu kommt der Placeboeffekt, der bei Befindlichkeitsstörungen besonders stark ausfällt. Beide Erklärungen führen zu echten positiven Effekten, nur eben nicht durch den Stein.

Das ist kein Argument gegen die Karaffe. Es ist nur ein Argument dafür, sie nicht mit einer Behandlung zu verwechseln. Ähnlich liegt der Fall bei anderen Materialien, denen eine Wirkung zugeschrieben wird, etwa bei Kupfer und seiner spirituellen Bedeutung.

Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten

Bei diesen Anzeichen gehört der Fall in ärztliche Hände, unabhängig davon, welches Wasser Sie getrunken haben:

  • anhaltende Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall
  • metallischer Geschmack im Mund über mehrere Tage
  • Bauchschmerzen ohne erkennbare Ursache
  • Beschwerden, die nach dem Trinken aus einer bestimmten Karaffe wiederkehren

Nehmen Sie den verwendeten Stein zum Termin mit. Die Art des Minerals hilft bei der Einordnung.

Checkliste für sicheres Edelsteinwasser

  • Nur Quarze verwenden, im Zweifel die indirekte Methode wählen.
  • Keine kupfer-, blei-, arsen- oder quecksilberhaltigen Mineralien ins Wasser legen.
  • Keine gefärbten oder mit Kunstharz behandelten Steine.
  • Steine auf Risse prüfen, beschädigte aussortieren.
  • Wasser kalt ansetzen, nicht in die Sonne stellen.
  • Nach spätestens einem Tag wegschütten.
  • Steine nach jeder Verwendung heiß abspülen und trocknen lassen.

Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden oder dem Verdacht auf eine Vergiftung wenden Sie sich an eine Ärztin, einen Arzt oder den Giftnotruf.

Tobias Friedrich
Tobias Friedrichhttps://wochenkurier.de
Tobias Friedrich, Jahrgang 1971, lebt mit seiner Familie in Berlin. Als freier Journalist schrieb er bereits für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, Berliner Zeitung, Spiegel Online und die Süddeutsche Zeitung. Der studierte Wirtschaftsjurist liebt ortsunabhängiges Arbeiten. Mit seinem Laptop und seinem Zwergpinscher Jerry ist er die Hälfte des Jahres auf Reisen.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Beitrag teilen:

Newsletter abonnieren

spot_imgspot_img

Beliebt

Das könnte Sie auch interessieren
Interessant

Wenn die Hausbank zögert: Woher der Mittelstand sonst noch Geld bekommt

Schuldschein, Mezzanine, Private Credit: Welche Wege dem Mittelstand offenstehen, wenn die Hausbank abwinkt — und woran Betriebe die Kosten wirklich erkennen.

Pflegegrad abgelehnt: Was Angehörige jetzt tun können

Pflegegrad abgelehnt? Bescheid prüfen, Alltag dokumentieren, fristgerecht Widerspruch einlegen, Zweitbegutachtung vorbereiten.

Streit ums Erbe? 9 Dinge, die Familien schon zu Lebzeiten klären können

Über Geld wird in Familien nicht immer gerne gesprochen....

Führungszeugnis im Ehrenamt: Welche Nachweise Vereine verlangen dürfen

Wann Vereine ein Führungszeugnis von Ehrenamtlichen verlangen dürfen, was es kostet und wie der Antrag gelingt.